Chicago

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Die Theorie und die Kunst der Architektur

Nicht allein der Kommerz war die treibende Kraft bei der Entwicklung des Hochhauses in Chicago. Vielmehr findet sich hier auch die küntlerische und theoretische Grundlage für einen neuen Bautypus.

Louis Sullivan

Louis Sullivan und John Wellborn Root waren die Protagonisten der Auseinandersetzung mit der neuen Bauweise. Sie glaubten an den Zeitgeist und waren davon überzeugt, dass die neue Technologie des Hochhauses einer neuen Architektursprache bedürfe. Sie argumentierten gegen die historisierende Art, in der Hochhäuser in New York gebaut wurden und postulierten, dass Architektur nur dann eine "lebendige Kunst" sein könne, wenn sie mit der Entwicklung neuer Formen reagiere.
Nach Sullivans Auffassung muss der Wolkenkratzer "hoch [sein], jeder Zoll von ihm hoch"."Die Kraft und Stärke muss darin enthalten sein. Jeder Zoll muss stolz und aufragend sein, sich erhebend in reiner Erhöhung, von unten bis oben eine Einheit ohne eine einzige abweichende Linie bilden."

Halten die neuen Bautechnologien vorerst noch keinen Einzug in Sullivans Arbeiten, so ist er doch derjenige, der seinen Bauten den Ausdruck der Höhe verleiht. Dabei hält er sich an klassische Motive. Das Wainwright Building in St. Louis 1891 hat eine zweigeschossige massive Basis, auf der sich eine geschossübergreifende vertikale Pfeilergliederung erhebt, die schließlich in einem Fries mündet und von einem ausladenden Dach gekrönt wird. Der Vergleich mit einer Säule mit Basis, kanneliertem Schaft und Kapitell liegt nahe und wird Sullivan auch immer wieder vorgeworfen. Es gibt sogar einen provokativen Entwurf Adolf Loos', der dieses Gleichnis zwischen Hochhaus und antiker Formensprache bis zur Karrikatur treibt: "Wettbewerb: Hochhaus für die Chicago Tribune 1922".

 

Doch Sullivan bedient sich nicht einfach eines antiken Formenkanons, sondern nutzt und entwickelt einzelne Elemente daraus für seine Zwecke. Bedarf eine Säule der Enthasis, der Verdickung des Schaftes im unteren Drittelspunkt, um die Last zu artikulieren, die sie trägt, so ist das Aufstreben des Hochhauses frei davon, da es nur sich selbst und keine fremde Last zu tragen hat.
Die Fassade hat eher eine textile Wirkung, einem Gewebe gleich, das die aufstrebende Pfeilerarchitektur als dominanten Schußfaden hat und ein feines dahinterliegendes Geflecht aus verzierenden Kettfäden, die dem Gewebe Tiefe und Farbe geben.

 


Monadnock Building

Daniel Burnham & John Wellborn Root 1889-91
Das in tragender Ziegelbauweise errichtete Gebäude ist wohl als Grenzfall zu betrachten. Die Bauweise entspricht noch nicht der eines Hochhauses, aber die Formensprache ist vielen anderen Beispielen bereits weit voraus.
Wie auch bei der Fassade der Chicago Stock Exchange von Adler und Sullivan (1894) werden die Vertikalen durch trapezförmige Erker betont.

Gage Building

Holabird & Roche with Louis Sullivan 1899

Die drei kleinen Gebäude an der South Michigan Avenue von Holabird & Roche sind gute Beispiele für den nüchternen, klaren Chicagoer Stil. Die Fassade des rechten, nördlichen Gage-Buildings wurde von Sullivan entworfen. Inzwischen ist es um vier Geschosse aufgestockt worden.

Quellen: Allgemein

Literatur

  • Caroline Mierop: Skyscrapers - higher and higher
    Norma Editions, Paris 1995
  • Paul Goldberger: Wolkenkratzer - Das Hochhaus in Geschichte und Gegenwart
    Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984

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Quellen: Chicago

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